Montag, 25. April 2016

Goodbye and Good Luck

Vor ein paar Jahren war es "ab 18", jetzt ist es "Sanft und Sorgfältig".
Ich höre nicht viel Radio, aber es gibt immer wieder ein paar Sendungen, die ich regelmäßig höre. Die für mich einfach dazugehören, zu einer normalen Woche, einem normalen Monat.

Vielleicht liegt es daran, dass es nicht so komerziell ist oder dass es eher im Hintergrund laufen soll, aber manchmal erreichen Radiosendungen für mich ein Niveau, dass ich so seletn im Fernsehen finde. Und wenigen Leuten höre ich so lange am Stück zu, wie Holger Klein, Thomas Wosch oder eben Jan und Olli.

Das ist nun leider vorbei, mal wieder. Dabei wünsche ich mir jedes Mal, dass es einfach immer so weitergeht, dass ich jeden Tag um 18.00 Uhr Kathrin Thüring aus einer Kläranlage hören kann, ohne große Veränderung, einfach als fester Bestandteil meiner Routine.
Und dann kommt so ein Facebook-Post und macht alles zunichte, heute früh hab ich noch Kommentare gelesen, dass Jan ja erst mal "bis Ende April" gesagt hat und man sich vielleicht schon auf eine neue Folge diesen Sonntag freuen kann, jetzt das.

Aber irgendwie, denke ich dann auch, ist es schon ok. 3 Jahre, das ist eine echt lange Zeit. Als "ab 18" abgesetzt wurde, war ich erst mal vollkommen traurig. Für mich gab es keine Sendung, die auch nur annähernd so gut war und ich konnte mir nicht vorstellen, das irgendwas Anderes an ihre Stelle kommt. Aber irgendwie kam dann erst mal ein paar Jahre nichts und dann Sanft und Sorgfältig und was soll ich sagen, die Sendung war mindestens genauso gut.
Vielleicht gibt es in ein, zwei Jahren wieder eine gute Sendung und vielleicht ist es auch ganz gut, wenn man hin und wieder aus seiner Routine rausgerissen wird.

Montag, 4. April 2016

Lernen: A Very Long Nerdwriter Q&A

  • Untersuchungsprozess: So viel lesen wie möglich, bis man sich wohl fühlt.
  • Videoproduktion: Einfach anfangen und sich über den Verlauf seiner kreativen Arbeiten verbessern, anstatt nie etwas zu veröffentlichen und dann nichts zu tun.
  • Ziel: Unabhängigkeit behalten.
  • Sinn des Lebens: Selbst entscheiden, was der Sinn des Lebens sein soll.
  • Prätentiösität: Der Sprechrhythmus hilft dabei, Videos zu strukturieren. Niemand kann etwas für seine Stimme.
  • Clickbait-Titel: Menschen schauen sich jeden Tag Millionen von Links an. Deshalb sollte man sich darüber bewusst sein, dass man einen guten Titel braucht, um Menschen von seinen Inhalten zu überzeugen.
  • Form und Inhalt: Jeder Inhalt sollte die Form bekommen, die er verdient, da sich beide Teile aufeinander beziehen.
  • Enthusiasmus entfachen: Ein Narrativ aufbauen, das die Menschen mitreißt und sie von den Ideen dahinter überzeugt, sie aber gleichzeitig selbst in die Welt hinausgehen und sie erfahren lässt.

Montag, 21. März 2016

Über die Vollständigkeit von Kunstwerken

Wenn ich mir ein Gedicht anschaue, gibt es bei mir häufig zwei Reaktionen. Die erste genießt das Gedicht, bewertet seine Schönheit anhand meiner Wahrnehmung und baut abschließend ein Verständnis für den beschriebenen Moment auf. Die zweite versucht sich an einer inhaltlichen Analyse. Stimmt meine Wahrnehmung überhaupt? Ist meine Interpretation wahrscheinlich? Und woher nehme ich eigentlich diese Sicherheit?

Diese zweite Reaktion löst in mir ständig eine Diskussion aus: Vervollständige ich eigentlich ein Werk, wenn ich mehr Informationen darüber erhalte? Und meine Antwort darauf ist dann meist: Ja, natürlich. Aber dann sofort auch: Kann ich diesen zusätzlichen Informationen überhaupt vertrauen? Und sobald ich einem Menschen zum ersten Mal ein Gedicht zur Interpretation vorlege, woher soll ich denn überhaupt wissen, dass dieser Mensch den Inhalt des Werkes erkennt?

Dann wird sich plötzlich auf diesen Menschen bezogen, weil er Argumente für seine Überzeugungen gebracht hat. Aber eigentlich besteht doch immer noch die Möglichkeit, dass er sich irrt. So ganz grundlegend. Ein Beispiel: Vielleicht ist es eben kein Gedicht über den zweiten Weltkrieg, nur weil die Autorin Erfahrungen im zweiten Weltkrieg gesammelt hat und es um Panzer geht. Vielleicht ist es lediglich eine Erinnerung an ihre Kindheit, die sie verarbeitet, weil ihr Bruder ihr ständig den Spielzeugpanzer gestohlen hat.

Vielleicht stimmt aber auch beides nicht. Intepretationen scheinen keine Fakten zu produzieren. Sie vermitteln uns vielmehr Wahrscheinlichkeiten, die mit Argumenten vorgebracht werden und die unsere Fantasie beliebig anregen sollen. Oder worum geht es bei Interpretationen? Um Wahrheit? Um den objektiven Kern einer Botschaft? In den Geisteswissenschaften erscheinen mir diese Ziele als unerreichbar, weil die Subjektivität einer Wahrnehmung unsere Erfahrungen prägt. Und natürlich treten bei genügend Überprüfungen bestimmte Muster auf. Aber ist es dann nicht sogar kontraproduktiv, dass wir uns vorher über diese Muster informieren, damit wir zu einem besseren Verständnis eines Textes gelangen? Reproduzieren sich dadurch nicht einfach nur diese Muster und unser objektives Verständnis des Textes bleibt auf der Stelle?

Ist es also sinnvoll, sich vorher über einen Text zu informieren? Wenn wir uns statistisch dem Kern eines Textes annähern wollen, dann würde ich wohl nun eher zu einem Nein tendieren, weil wir sonst lediglich das reproduzieren, was bereits durch Autoritäten verbreitet wurde. Aber es erscheint mir gleichzeitig auch generell ungeeignet, eine statistische Herangehensweise zu bevorzugen. Denken wir mal kurz über die Folgen nach:

Wir nehmen uns ein Gedicht aus dem 11. Jahrhundert, das der Großteil der Testpersonen nicht versteht, weil es in Mittelhochdeutsch geschrieben wurde und die Wörter teilweise vollkommen andere Bedeutungen besitzen. All diese Menschen sollen jetzt eine Interpretation für dieses Gedicht abgeben, was dazu führt, dass der objektive Kern des Gedichtes rein statistisch wahrscheinlich dem kulturellen Verständnis eines Menschen aus dem 21. Jahrhundert entspricht.

Aber wie können wir uns sicher sein, dass das nicht bereits mit allen anderen Interpretationen geschehen ist? Wir haben zum Beispiel eine Interpretation eines Kant-Werkes aus dem 19. Jahrhundert, die vollkommen banale gesellschaftliche Fakten hineinbringt, die nichts mit dem ursprünglichen Text zu tun haben. Aber diese Interpretation setzt sich durch und beeinflusst die Interpretationen des 21. Jahrhunderts.

Doch was bleibt dann noch übrig? Es erscheint erneut dieses merkwürdige Kommunikationsparadoxon. Wir sprechen durch unsere subjektive Wahrnehmung eine andere Sprache mit anderen Wahrnehmungen von Wörtern. Und zum Schluss verstehen wir uns trotzdem. Wie kann das sein? Sind unsere Wahrnehmungen dann doch so ähnlich?

Zwei weitere Aspekte dieser Untersuchung sind für mich Kontext und Konkretheit. Ein Beispiel: Ein gezeichnetes schwarzes Dreieck auf einem weißen Grund soll für die Trinität der christlichen Kirche stehen. Die Botschaft ist ohne Kontext nicht erfassbar. Soll die Botschaft erfassbar bleiben? Oder soll das Dreieck für sich stehen und als Kunstwerk ohne Kontext betrachtet werden? Ich denke, dass Werke ohne Kontext auch weniger Gefühle anregen, da sie keine Zusammenhänge hervorrufen, die möglicherweise das Einfühlen erleichtern.

Diese Kontextlosigkeit ist von einer unkonkreten Darstellung zu unterscheiden: Zwar erzeugen abstrakte Techniken aus sich selbst heraus schon weniger Kontext, können aber genau aus diesem Grund gewählt werden, um die Aufmerksamkeit auf andere Aspekte zu lenken und den Kontext dieser Elemente zu verstärken. Eine Verwendung unkonkreter oder abstrakter Darstellungsmittel ist damit Bestandteil des Kontextes. In der Fotografie zum Beispiel ein Kontrast zwischen abstrakt texturiertem Hintergrund und einem Porträt im Vordergrund.

Und letztendlich bleibt die Spannung beim Lesen. Autoren tendieren dazu, Werke zu verdichten, um eine Erfahrung greifbarer zu gestalten. Um allerdings dem Werk einen gehobenen Anspruch zu geben und einen Wert zu vermitteln, werden meist mehrere Ebenen miteinander verwoben, was dazu führt, das ein erstes Verständnis erschwert wird, das Gedicht dann aber aufgrund der Anstrengungen beim Verstehen stärker im Gedächtnis bleibt.

Ich kann den Versuch sehr gut nachvollziehen, aber nun ja. Wie bei dem Beispiel mit dem Dreieck kann es eben passieren, dass dadurch der Kontext vollkommen verschwimmt. Und das Dreieck bleibt dann eben Dreieck, und es wird nicht als christliche Trinität verstanden. Und dann denke ich mir: Dann eben nicht. Dann verstehe ich eben nicht, was der Autor von mir wollte und interpretiere es so, wie ein Mensch aus dem 21. Jahrhundert etwas interpretieren würde, was ihm vorgesetzt wird. Ich liefere meine Argumente. Und wenn das jemand anderen dazu bringt, sich mit seinen eigenen Gefühlen zu beschäftigen und ein eigenes Verständnis für sein Leben aufzubauen, cool.

Aber was soll ich denn sonst tun, wenn sich der Autor nicht erklärt? Und selbst wenn er sich erklärt, wie soll ich sicher sein, dass ich ihn dann verstehe? Mir erscheinen diese Probleme unlösbar. Und dann schaue ich auf meine erste Reaktion zurück und freue mich, dass das meine erste Reaktion ist. Keine Frage, die erste Reaktion hat ihre eigenen Probleme mit der Unlösbarkeit einer verständlichen Wahrnehmung. Aber wenigstens kann es da diese kurzen Momente geben, in denen ich diese wunderschönen Blumen genießen kann, ohne sie in ihre Bestandteile zu zerlegen und wissenschaftlich zu analysieren. Und für die zweite Reaktion gebe ich mir eben Mühe, meine Argumente darzulegen und bin für alle weiteren Ansichten offen.

Dienstag, 16. Februar 2016

Lernen: You Are Not So Smart - The Argument from Ignorance

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Es besteht die Möglichkeit, dass wir eine Erklärung annehmen, weil wir die Argumente der Gegenseite ignorieren oder kleinreden. Bei dieser Argumentationsform reicht es uns aus, dass wir etwas nicht wissen, um darüber zu erklären, dass etwas wahr oder falsch ist.

Wir könnten beispielsweise davon ausgehen, dass es das Loch-Ness-Monster gibt, weil bisher zu wenige Beweise geliefert wurden, dass es nicht existiert. Dasselbe gilt für die Mondlandung. Wie können wir uns sicher sein, dass sie wirklich stattgefunden hat? Wenn wir eine bestimmte Auffassung lange genug vertreten, dann versuchen wir sie zu beschützen, weil sie ein Bestandteil unserer Persönlichkeit geworden ist.

Folgen: Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, Argumentationen ständig zu überprüfen und alle Möglichkeiten miteinzubeziehen. Allerdings halte ich das Ignoranzargument letztendlich für unauflösbar. Jede These besitzt nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Manche davon sind wahrscheinlicher, manche unwahrscheinlicher. Doch genau zu entscheiden, ab wann etwas so wahrscheinlich wird, dass es sich über andere Thesen hinwegsetzen kann, ist sehr anstrengend und braucht gute Argumente. Dennoch können wir darauf achten, dass wir nicht so schnell einfach etwas hinnehmen, weil wir uns wünschen, dass es wahr wäre.

Montag, 15. Februar 2016

Lernen: You Are Not So Smart - The Argument from Authority

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Wenn wir die Qualität der Quelle unserer Informationen als Argument für deren Glaubwürdigkeit heranziehen, dann handelt es sich um ein Autoritätsargument. Wir gehen davon aus, dass Menschen, die sich mit einem bestimmten Themenfeld auskennen, vertrauenswürdig sind, auch wenn sie sich zu einem anderen Bereich äußern.

Wenn uns ein Tauchlehrer beispielsweise Hinweise darauf gibt, wie wir unsere Sauerstoffflasche zu bedienen haben, dann sollten wir besser zuhören, damit wir nicht ertrinken. Wenn der gleiche Lehrer allerdings dazu übergeht, uns von seinen Erfahrungen mit einem Unterwasservolk zu berichten, dann sollten wir vielleicht nicht mehr so vertrauensselig agieren.

Folgen: Autoritätsargumente sind nicht von Grund auf schlecht. Wenn wir eine Person kennen, die sich mit einem bestimmten Thema besonders gut auskennt, dann können wir auch dieser Person vertrauen. Wir sollten nur darauf achten, dass wir, falls uns etwas merkwürdig vorkommt oder Argumente uns nicht schlüssig erscheinen, nachfragen, um eine genauere Erklärung zu erhalten.

Wohnzimmerregal: The IT Crowd (2006-2013)


Ich bin ein großer Freund von englischem Humor, weil dort sehr viel mit Ironie und Sarkasmus gearbeitet wird. Und wenn dann auch noch Elemente der Nerdkultur eingearbeitet werden, dann schafft es die Serie, mich vollkommen zu überzeugen. The IT Crowd ist perfekt darin, diesen schmalen Grat zwischen Parodie und Authentizität zu wandeln.

Roy und Moss bilden zusammen die gesamte IT-Abteilung von Reynholm Industries. Die beiden Nerds sitzen im Keller des Bürokomplexes und langweilen sich jedoch die meiste Zeit über, weil sich ihre Aufgaben darauf reduzieren, die Menschen danach zu fragen, ob sie bereits versucht haben, den Computer herunter- und wieder hochzufahren (Have you tried turning it off and on again?). In dieses soziale Gefüge wird Jen hineingeworfen, die neu anfängt und sich einen Platz in einem Großraumbüro erhofft, aber aufgrund ihrer fehlinterpretierten Bewerbung in den Keller geschickt wird, um dort die Abteilung zu leiten. Plötzlich müssen sich also die drei miteinander arrangieren, was zu allerhand Durcheinander und Missverständnissen führt.

The IT Crowd ist für mich so wertvoll, weil sich die Geschichten selbst nicht so ernstnehmen. Wir haben einen lockeren Umgang mit der Realität, was dazu führt, dass auch Handlungen erzählt werden können, die über die Realität hinausgehen, zum Beispiel über die Erfindung eines BHs, der immer richtig sitzt. Insgesamt ist The IT Crowd dadurch eine der Serien, die nichts von ihrem Charme verliert.

Montag, 8. Februar 2016

Lernen: You Are Not So Smart - Brand Loyalty

You Are Not So Smart ist ein Buch von David McRaney, das 2011 veröffentlicht wurde und in dem er auf die psychologischen Eigenheiten des Menschen eingeht. In dieser Serie möchte ich alle beschriebenen Verhaltensweisen zusammenfassen, um ein besseres Verständnis dafür zu erhalten.

Wir tendieren dazu, unsere Ausgaben zu verteidigen, auch wenn wir nicht erklären können, warum wir uns für sie entschieden haben. Jede dieser Entscheidungen ist mit Gefühlen verbunden, die sich verstärken, wenn wir eine feste Verbindung aufbauen, zum Beispiel in Form von Besitz.

Wir streiten darüber, ob Xboxen oder Playstations, PCs oder Macs, Coca Cola oder Pepsi besser sind. Wir fangen an, auf Reddit darüber zu diskutieren, versuchen Vergleiche zu ziehen und uns zu rechtfertigen. Selbst wenn wir etwas geschenkt bekommen, bauen wir eine emotionale Beziehung dazu auf.

Folgen: Doch warum verteidigen wir diese Dinge? Sind sie ein Ersatz für unsere familiären Gefühle? Ich denke, dass wir darauf achtgeben sollten, nicht mehr so intensiv für unsere Gegenstände zu argumentieren und lieber das Positive mit anderen zu teilen.