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Montag, 15. Februar 2016

Wohnzimmerregal: The IT Crowd (2006-2013)


Ich bin ein großer Freund von englischem Humor, weil dort sehr viel mit Ironie und Sarkasmus gearbeitet wird. Und wenn dann auch noch Elemente der Nerdkultur eingearbeitet werden, dann schafft es die Serie, mich vollkommen zu überzeugen. The IT Crowd ist perfekt darin, diesen schmalen Grat zwischen Parodie und Authentizität zu wandeln.

Roy und Moss bilden zusammen die gesamte IT-Abteilung von Reynholm Industries. Die beiden Nerds sitzen im Keller des Bürokomplexes und langweilen sich jedoch die meiste Zeit über, weil sich ihre Aufgaben darauf reduzieren, die Menschen danach zu fragen, ob sie bereits versucht haben, den Computer herunter- und wieder hochzufahren (Have you tried turning it off and on again?). In dieses soziale Gefüge wird Jen hineingeworfen, die neu anfängt und sich einen Platz in einem Großraumbüro erhofft, aber aufgrund ihrer fehlinterpretierten Bewerbung in den Keller geschickt wird, um dort die Abteilung zu leiten. Plötzlich müssen sich also die drei miteinander arrangieren, was zu allerhand Durcheinander und Missverständnissen führt.

The IT Crowd ist für mich so wertvoll, weil sich die Geschichten selbst nicht so ernstnehmen. Wir haben einen lockeren Umgang mit der Realität, was dazu führt, dass auch Handlungen erzählt werden können, die über die Realität hinausgehen, zum Beispiel über die Erfindung eines BHs, der immer richtig sitzt. Insgesamt ist The IT Crowd dadurch eine der Serien, die nichts von ihrem Charme verliert.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Wohnzimmerregal: Broken Flowers (2005)


Es gibt wenige Filme, die mich so sehr bewegt haben, wie Broken Flowers. Ich denke, es handelt sich um Jim Jarmuschs bestes Werk und gleichzeitig ist es auch der Film, den ich von der Produktion her am meisten verehre. Es ist eine Sache, einen Bombastfilm zu drehen und damit Millionen zu machen. Es ist eine andere, mit wenigen Mitteln eine mitreißende, realitätsnahe Tragikomödie zu produzieren.

Der Film erzählt die Geschichte von Don Johnston, einem in die Jahre gekommenen IT-Spezialist und ewigen Junggesellen, der einen anonymen Brief erhält, in dem ihm offenbart wird, dass er einen 19-jährigen Sohn hat, der sich auf dem Weg zu ihm gemacht hat. Sein Nachbar und Freund Winston schlägt vor, dass Don eine Liste der in Frage kommenden Frauen aufstellt und sie nacheinander besucht, um zu überprüfen, ob eine von ihnen den Brief geschrieben haben könnte.

Broken Flowers ist für mich so ein wichtiger Film, weil er diese ruhige Geschichte erzählt, in der eigentlich nicht wirklich etwas vorankommen möchte, aber in der man merkt, dass sie dem Protagonisten dennoch zu Herzen geht, auch wenn es nur wenige Momente gibt, in denen er das zeigt. Und diese Zurückhaltung verbindet sich dann mit dem passenden Ende. Ein wundervoller Film.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Wohnzimmerregal: Ghost Dog (1999)


Nach Night on Earth ist Ghost Dog der zweite Film von Jim Jarmusch, den ich gesehen habe, was nicht so ungewöhnlich ist, wenn ich mich daran zurückerinnere, dass ich mich Anfang der 2000er sehr für Schwertkampf und seine asiatische Tradition interessiert habe. Neben den westlichen Referenzen in Matrix, Kill Bill, Star Wars oder auch Jedi Knight II, waren für mich solche Filme wie Hero und Tiger and Dragon sehr mitreißend.

Neben diesen äußerst actionlastigen Werken, erscheint Ghost Dog eher als Referenz an Akira-Kurosawa-Filme wie Rashomon mit seinen vielfältigen Blickwinkeln oder Yojimbo mit seinem einsamen Ronin. In dem Film geht es jedoch um den Auftragskiller Ghost Dog, der für seinen Herren, den Mafiosi Louie, unterwegs ist. Als er den Auftrag bekommt, ein Mitglied der eigenen Mafiafamilie umzubringen, weil dieser eine Beziehung mit Louise, der Tochter des Chefs, eingegangen ist. Ghost Dog wird daraufhin allerdings selbst zum Ziel, weil Louise ihn gesehen hat.

Der Film hat für mich nicht mehr so eine große Bedeutung, wie zu der Zeit, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, aber es ist immer noch beeindruckend, mit anzusehen, wie eher traditionell asiatische Verhaltensweisen mit westlichem Umgang kollidieren. Dazu kommt die typische ruhige Atmosphäre von Jarmusch und eine Vielzahl interessanter kleiner Beziehungen, die sich neben der Haupthandlung abspielen.

Donnerstag, 17. September 2015

Wohnzimmerregal: Dead Man (1995)


Beim ersten Ansehen von Dead Man hatte ich eine schwierige Zeit. Ich habe nicht so wirklich verstanden, was mir da eigentlich überhaupt vorgeführt wird. Geht es um einen klassischen Western, geht es um ein Unglück, das zu mehr Unglück führt? Ich weiß nicht einmal richtig, ob ich den Film überhaupt mit einer gewissen Erwartungshaltung ansehen konnte, oder ob ich den als Muss-Film betrachtet habe, weil es eben ein Film von Jarmusch gewesen ist.

Und dann habe ich ihn ein zweites Mal gesehen und mir waren diese Gedanken egal. Ich wurde mitgerissen vom improvisierten Soundtrack und der Geschichte über William Blake, einem Buchhalter, der ans Ende des Westens reist, um eine Stelle anzutreten, die jemand anderes bereits besetzt hat und der nun durch ein Unglück zum Gejagten wird. Es war für mich plötzlich spannend, noch einmal das Aufeinandertreffen des amerikanischen Ureinwohners Nobody mit Blake zu beobachten und ihre Beziehung zueinander festzustellen.

Ich schiebe diese Veränderung vor allem auf meine Erfahrungen mit dunkleren Geschichten. Poe, Lovecraft aber besonders Kafka lassen die Reise von Blake für mich wesentlich ansprechender erscheinen, als eine bloße Verfolgungsjagd im Westen. Plötzlich ist der Held nicht mehr nur ein Schwächling, der sich irgendwie durchmogelt und sich vor seinen Verfolgern versteckt. Er wird zum Menschen, der mit seiner Umgebung auf psychologischer Ebene kämpft. Und gerade so eine starke Veränderung auch an sich selbst mitzumachen, bleibt einem natürlich im Gedächtnis.

Dienstag, 15. September 2015

Wohnzimmerregal: Night on Earth (1991)


Kommen wir zu dem Film, der mich zu Jarmuschs anderen Werken gebracht hat, der Film, der mich davon überzeugt hat, dass das Medium nicht nur von lauter Action oder kryptischer Kunst dominiert werden muss. Zu der Zeit waren die Nouvelle Vague oder der neue deutsche Film noch keine Begriffe für mich. Kommen wir nun zu Jarmuschs fünften Film, der auf mich wohl den meisten kreativen Einfluss gehabt hat: Night on Earth.

Es werden fünf Geschichten rund um den Globus zur selbe Zeiten in unterschiedlichen Zeitzonen erzählt. Wie auch schon in den Vorgängerfilmen stehen dabei kleine Konfrontationen zwischen unterschiedlichen Charakteren im Vordergrund: In Los Angeles trifft ein abgebrühter weiblicher Casting-Agent auf einen jungen weiblichen Taxifahrer, und sie sprechen über ihre Probleme in ihren Berufen. In New York möchte der Schwarze Yoyo in der Nacht nach Brooklyn gefahren werden. Als ein Taxifahrer endlich anhält, macht er Bekanntschaft mit Helmut, einem Ostdeutschen, der nach dem Mauerfall in die USA ausgewandert ist.

In der dritten Geschichte in Paris nimmt ein von der Elfenbeinküste stammender männlicher Taxifahrer eine blinde Frau mit und sie sprechen über das Leben mit Einschränkungen. In Rom rast ein männlicher Taxifahrer durch die Gassen und nimmt einen älteren, männlichen Priester auf, der zum Schluss an einem Herzinfarkt stirbt. In der letzten Geschichte in Helsinki fährt der männliche Taxifahrer Mika drei Betrunkene nach Hause. Zwei davon erzählen vom Leid des dritten. Mika wendet daraufhin ein, dass es noch wesentlich schlimmer kommen kann und spricht über sein Leid. Der Film endet damit, dass Mika die drei absetzt.

Die Geschichten sind meiner Ansicht nach nicht darauf ausgelegt, dass sie eine mitreißende Handlung erzählen sollen. Meiner Ansicht nach geht es vielmehr darum, dass der Zuschauer einen Einblick in das Leben der Taxifahrer und ihrer Gäste erhält. Wie verhalten sich Menschen in der Nacht, was erzählen sie von ihrem Leben? Für alles andere ist in den kurzen Geschichten keine Zeit. So schnell wie die Taxigäste eingestiegen sind, so schnell steigen sie wieder aus. Mich hat diese Herangehensweise sehr beeindruckt. weil sie den Film so unkompliziert macht. Ich muss keinem Plot folgen, sondern ich kann mich auf die Menschen konzentrieren. Wenn ich etwas verpasse, dann bricht nicht der komplette Film auseinander. Jeder einzelne Satz hat eine Bedeutung.

Und das ist es auch, was mich dann doch so berührt hat. Der Film wird auf die Charaktere heruntergebrochen. Ich kann mich auf die Gefühle der Figuren konzentrieren, ohne dass ich sofort zum nächsten Punkt der Handlung voranschreiten muss. Die Gespräche sind die Handlung. Mir ist das sehr wichtig, denn häufig bleibt in größeren Filmen dafür wenig Zeit, weil das Tempo dadurch verloren geht. Einzig Tarantino schafft es meiner Meinung nach Dialoge und Handlung miteinander zu verbinden, ohne dass das eine dem anderen die Wirkung nimmt. Aber um das zu erreichen, nutzt er viele Referenzen und bleibt sehr klischeehaft, was die Glaubwürdigkeit der Filme beeinflusst.

Jarmusch erzählt in diesem Spektrum wesentlich ruhiger und hat auch keine Angst davor, dass seine Filme nicht spannend sind. Und das genieße ich an diesen Filmen. Mich hat das sehr in meinen Vorstellungen davon geprägt, was Filme für eine Bedeutung im Leben von Menschen haben können und auch, was Medien insgesamt anderen mit auf den Weg geben können.

Samstag, 12. September 2015

Wohnzimmerregal: Mystery Train (1989)


Mystery Train wird gern in einer Aufzählung von Jarmuschs Filmen vergessen, einerseits weil die Geschichte so wie die meisten Jarmuschstreifen langsam dahintrottet, andererseits weil das Star-Aufgebot mit Joe Strummer und Steve Buscemi diesmal nur in Form von Nebendarstellern aufwarten kann. Und damit könnte die Beschreibung für die meisten schon vorbei sein und sie hätten viel verpasst, denn Mystery Train ist für mich einer der stärksten Jarmusch-Filme.

In einem schäbigen Hotel in Memphis, dem Geburtsort von Elvis Presley, werden drei Geschichten über Ausländer erzählt, die ihre Erfahrungen mit der amerikanischen Kultur machen. Ein japanisches Rockabilly-Paar besucht die Stadt, um den Spuren des King zu folgen. Eine Italienerin möchte ihren toten Ehemann nach Europa übersetzen. Und ein gerade arbeitslos gewordener Engländer versucht die Nacht totzuschlagen.

Was den Film für mich zu einem Meilenstein innerhalb von Jarmuschs Werk macht, ist die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Kulturerbe. Im Gegensatz zu Europa fehlen den USA eine lange eigenständige Literatur und Kunsttradition. Doch was bleibt übrig, wenn wir nun die USA aus der Zukunft betrachten würden? Was würde erhalten bleiben? Jarmuschs Antwort ist die Kultur der Rock- und Filmstars.

Im Gegensatz zu seinen modernen Filmen schätze ich hier vor allem die Einfachheit der Handlung. Eine Erkundungstour durch Memphis, ein Gespräch zwischen zwei Frauen, ein Nachttrip. Manchmal reicht das schon aus, um faszinierende Charaktere aufzubauen und eine nette kleine Filmhandlung zu erzählen.

Dienstag, 8. September 2015

Wohnzimmerregal: Down by Law (1986)


Down by Law ist der dritte Film von Jim Jarmusch und für mich vor allem wegen der Auftritte von Tom Waits und Roberto Benigni interessant. Es ist ein kleiner eher vernachlässigbarer Film, der allerdings durch seine märchenhafte Präsenz einem dennoch nicht aus dem Kopf geht. Ich mag den Film vordergründig, weil er diese verschiedenen Charaktere zusammenbringt und ihnen ein Problem nach dem nächsten aufhalst.

In dem Film sprechen drei unterschiedliche Insassen über den Grund, warum sie im Gefängnis gelandet sind. Jack ist Zuhälter und wurde von einem Konkurrenten mit einer Minderjährigen in eine Falle gelockt. Zack ist ein Radio-DJ, der seinen Job verloren hat und für Geld einen Wagen zur anderen Seite der Stadt fahren sollte, ohne zu wissen, dass sich darin eine Leiche befindet. Und Roberto ist ein Falschspieler, der bei der Flucht ungewollt einen Menschen getötet hat. Alle drei kommen nur mittelprächtig miteinander aus, finden allerdings einen Weg aus dem Gefängnis und schlagen sich dann gemeinsam durch die Sümpfe von Louisiana.

Ich mag Jarmuschs Filme vordergründig aufgrund ihrer klaren Präsentation und ihrer Schlichtheit. Aus der Versammlung von Außenseitern, die über ihr Scheitern berichten, entwickelt er ausgesprochen mitreißende Dialoge. Und es spannend, wie die drei Charaktere über sich selbst, aber vordergründig über die anderen reflektieren. Ich mag das sehr.

Sonntag, 6. September 2015

Wohnzimmerregal: Stranger Than Paradise (1984)


Der zweite Film von Jim Jarmusch ist für mich vor allem interessant, weil er mit einfachen Mitteln eine schöne Charaktergeschichte erzählt, die sich zwar nur sehr langsam aufbaut, sich dafür aber perfekt für einen langen Abend zum Runterkommen eignet. Jarmusch hatte mit Stranger Than Paradise seinen langsamen Durchbruch und wurde nun erstmals auf Festivals mehr beachtet. Für mich bleibt der Film aber auch als starke Inspiration für Autocheiria in Erinnerung.

Der Film gliedert sich in drei Abschnitte. Willie ist ein Hipster in New York. Im ersten Teil verbringt seine Cousine Eva einige Wochen bei ihm in New York und zieht dann zu seiner Tante nach Cleveland. Im zweiten Teil reisen Willie und sein Kumpel Eddie ein Jahr später ebenfalls nach Cleveland, um Eva zu besuchen, um dann im dritten Teil gemeinsam nach Florida zu fahren. Der Film wird von Alltagserlebnissen und -dialogen getragen und beschreibt eine melancholische Stimmung.

Der Film ist für mich so etwas Besonderes, weil die Bilder und die Melancholie perfekt zusammenpassen. Die langsamen Szenen bauen sich genau im richtigen Tempo auf und ermöglichen, dass der Film einfach dahinläuft, ohne dass man auf ihn achten muss. Auch wenn ich Jarmusch nicht für den besten Regisseur halte, so wollte ich eigentlich immer nur solche Filme wie er machen.

Donnerstag, 3. September 2015

Wohnzimmerregal: Flight of the Conchords (2007)


Meine guten Freunde, machen wir doch mal einen kurzen Abstecher hin zu einer der wundervollsten Serien, die je produziert wurden: Flight of the Conchords trifft jeden Nerv bei mir. Ich fange jedes Mal laut zu lachen an, wenn ich allein die ersten paar Minuten der ersten Folge anschaue. Und ich höre auch mit dem Lachen nicht mehr so leicht auf. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, mit Marcel zusammen einen Sonntag lang alle beiden Staffeln durchzuschauen, weil wir einfach nicht aufhören konnten. Doch worum geht es überhaupt?

Bret und Jermaine sind von Neuseeland nach New York gezogen und versuchen sich dort als Musiker durchzuschlagen, was ihnen leider nur so mittelmäßig gelingt. Ihr Agent Murray arbeitet Vollzeit im neuseeländischen Konsulat und ist den beiden nur hin und wieder eine Hilfe bei ihren Erfolgsanstrengungen. Die beiden setzen ihre Alltagserfahrungen in Liedern um und besprechen Liebe, Armut oder einfach nur merkwürdige Begebenheiten. Dabei müssen sie sich zusätzlich noch mit dem Pfandleihenbesitzer Dave und ihrem einzigen, aber vollkommen überzeugten Fan Mel herumschlagen.

Flight of the Conchords ist eine einfach produzierte Serie, die es schafft, allein durch ihren Charme alles herauszuholen. Es braucht keine komplizierten Handlungen, wenn man sich auch einfach mal damit beschäftigen kann, was passiert, wenn man ein Bandmitglied durch eine Kassette ersetzt.

Dienstag, 1. September 2015

Wohnzimmerregal: Youth in Revolt (2009)


Wer hat sich nicht schon mal vorgestellt, im Sommer seine große Liebe zu finden und mit ihr durchzubrennen? Youth in Revolt geht aber noch einen Schritt weiter, denn der Film fragt, was du tun würdest, um mit dieser Liebe zusammenzubleiben? Würdest du zu einem Draufgänger werden, um dich endlich gegen die Welt durchzusetzen?

Nick Twisp ist der geborene Außenseiter und muss nun den Sommer mit seiner Mutter und ihrem neuen Freund in einem Trailerpark verbringen, weil dieser Geldprobleme hat. Dort trifft er allerdings auf Sheeni, die ihn so schätzt wie er ist, aber ihm gleichzeitig sagt, dass sie wahrscheinlich nicht zusammen sein können, weil der Sommer bald endet und die Entfernung zu groß sei. Sie entwickeln einen Plan, bei dem Sheeni eine Arbeit für Nicks Vater besorgt, sodass Nick, wenn er es irgendwie schafft, dann bei seinem Vater leben und die beiden wieder zusammen sein können.

Youth in Revolt ist eine prägnante Komödie mit der leicht verrückten Idee, sich mit seinem Alter Ego darüber zu streiten, wie man die Liebe seines Lebens aufrechterhält! Ich mag den Film von vorne bis hinten, weil er eine Jugendgeschichte erzählt, ohne dass man das Gefühl hat, dass es zu sehr in Klischees abdriftet. Ich mag auch die ungewollten Verwandlungen von Nick und die daraus resultierenden Szenen. Einfach lustig.

Sonntag, 30. August 2015

Wohnzimmerregal: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2010)


Dieser Film bleibt mir vor allem wegen seiner unschönen Folgen in Erinnerung: Er hat die Karrieren von Michael Cera und Edgar Wright stark zurückgesetzt und meines Erachtens nach komplizierte kleinere Filme in Hollywood verunmöglicht, hauptsächlich weil er ein großer Flop an den Kinokassen war. Er spielte gerade einmal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder ein.

Und das ist eine der größten Ungerechtigkeiten der Filmgeschichte, denn dieser Film ist so unglaublich witzig und gut, dass es eine Schande ist, dass er maximal als eine Fußnote behandelt werden wird. Edgar Wright hatte zuvor bereits mit zwei Filmen seiner Cornetto-Trilogie bewiesen, dass er witzig sein konnte und hat hier alles gegeben. Das war sein Sprung in den großen Teich. Michael Cera war bis zu dem Zeitpunkt einer der meistgefeierten Indie-Stars, unter anderem mit Superbad oder Juno. Und danach brauchte es zwei Jahre, bis er wieder eine nennenswerte Rolle bekam.

Die Handlung des Films dreht sich um Scott, der sein Traummädchen findet, aber vorher ihre sieben bösartigen Ex-Freunde besiegen muss, bevor er mit ihr zusammen sein kann. Der Film basiert auf dem Comic von Bryan Lee O’Malley und ist meiner Ansicht nach eine absolut gelungene Umsetzung, mal davon abgesehen, dass die Handlung von sieben Bänden in einem Film erzählt wird und das Tempo natürlich angepasst und Elemente herausgestrichen werden mussten.

Mich macht das aber alles so traurig. Edgar Wright, Michael Cera und Bryan Lee O'Malley, alles Menschen, die ich unglaublich schätze, bringen ihre Fähigkeiten in einen einzigen Film ein und er wird daraufhin großartig. Und trotzdem ist er ein Misserfolg. Trotzdem interessieren sich die Menschen kein bisschen dafür. Ich glaube, dass ich hier zu einem wichtigen Teil das Vertrauen ins Filmemachen verloren habe.


Freitag, 21. August 2015

Wohnzimmerregal: Shaun of the Dead (2004)


Es gab mal eine Zeit, da waren Zombie-Filme unglaublich modern. Das war so 2004, als der junge Zack Snyder mit seinem Spielfilmdebüt, dem "Dawn of the Dead"-Remake, eine neue Welle an Zombieverehrung auslöste. Und obwohl das Remake gut ankam und ich es auch bis heute noch sehr mag, kam der bessere Zombie-Film eindeutig aus England. Dass dieser Film "Shaun of the Dead" heißt, lässt das ganze erst einmal ziemlich seltsam erscheinen, da man schnell an Asylum-Gurken erinnert wird. Aber weit gefehlt. Mit Edgar Wright gibt es einen neuen Regisseur, jemanden, der sein Handwerk außerordentlich gut versteht.

Shaun lebt ein außergewöhnlich durchschnittliches Leben. Nie passiert etwas. Und langsam geht das auch seiner Freundin auf die Nerven. Also entschließt sie sich, mit ihm Schluss zu machen. In seiner Trauerphase geht er zusammen mit seinem Mitbewohner Ed in seiner Stammkneipe etwas trinken und erwacht dann irgendwann am nächsten Tag immer noch in angeheitertem Zustand. Doch die Welt ist eine andere. London kämpft mit einer Zombiekatastrophe, und Shaun und Ed versuchen nun alles, um sich gegen die Zombies zu wehren und Shauns Freundin zu retten.

Shaun of the Dead ist eine großartig geschnittene Komödie, die auf unglaublich viele Einzelheiten achtet. Der erste Teil der Cornetto-Trilogie ist eine hemmungslose Hommage an Zombie-Filme der 1970er-Jahre und lässt die Charaktere unglaublich einfühlsam und witzig daran verzweifeln.

Dienstag, 18. August 2015

Wohnzimmerregal: Hot Fuzz (2007)


Hot Fuzz ist wahrscheinlich die beste englische Komödie, die jemals produziert wurde. Und dabei referenziert der Film eigentlich die ganze Zeit über nur amerikanische Action-Blockbuster. Doch der Film ist auf so vielen verschiedenen Ebenen interessant, dass es eine Schande wäre, ihn vollständig darauf zu reduzieren.

Nick Angel wird als Londoner Vorzeigecop in ein kleines Dorf im Nirgendwo versetzt. Es scheint nicht so wirklich viel los zu sein und er vertreibt sich seine Zeit damit, die Menschen im Dorf näher kennenzulernen und kleinere Polizeiarbeit durchzuführen. Doch plötzlich kommt es zu ungewöhnlichen Unfällen und Angel vermutet, dass mehr dahintersteckt.

Der zweite Film der Cornetto-Trilogie ist mit seiner Atmosphäre, bei der man nie so richtig weiß, ob sich der Film gerade selbst noch ernstnimmt und seinen überragenden Schnitttechniken ein beeindruckender Versuch, Komödien-, Action- und Horrorelemente locker miteinander zu verbinden.

Montag, 17. August 2015

Wohnzimmerregal: What We Do in the Shadows (2014)


Ein weiterer Vertreter von grausamer Titel, großartiger Film. Flight of the Conchords erprobter neuseeländischer Humor, der in einer Mockumentary zu seinem Höhepunkt gebracht wird. Kleine Szenerien, ein paar nette Seiltricks und schon ist man in diesem Vampirfilm gefangen. Und auch der einzige Film, zu dem ich lauthals im Kino gelacht habe.

Die Handlung konzentriert sich auf eine Wohngemeinschaft von vier unterschiedlich alten Vampiren in Wellington, deren Alltag in der Wohnung und in der Stadt gezeigt werden. Nachdem allerdings bei einem Angriff ein Opfer versehentlich zu einem Vampir gemacht wird, muss sich die Gruppe damit auseinandersetzen, wie sie diesen irgendwie in die Gruppe integrieren.

Aus dieser Grundsituation entstehen die Witze, die vor allem mit den Erwartungen des Publikums über die Verhaltensweisen von Vampiren spielen. Der Film schafft es, ohne großen Aufwand eine unglaublich lustige Charakterkomödie abzuliefern, die vor allem einfach Spaß macht.

Sonntag, 16. August 2015

Wohnzimmerregal: The Big Year (2011)


Ich mag den deutschen Titel des Filmes überhaupt nicht. Ich kann richtig spüren, wie Marketingmenschen zusammengesessen haben und versucht haben, den Film als eine gedankenlose Komödie zu vermarkten. Ha, ha, es geht um Vogelbeobachter, verstehen Sie? Und dann gibt es da dieses Wortspiel, weil die ja ein Jahr unterwegs sind, so außerhalb der Gesellschaft. Ha, ha. Aber auch, weil die Vögel freigegeben sind, zur Beobachtung. Ha.

Und ich mische mich da ein und möchte einen Film präsentieren, der so viel mehr ist, als nur oberflächlicher Wegwerfhumor. Der Film ist ein einfühlsames und witziges Drama über drei Individuen, die sich aus unterschiedlichen Gründen dazu entscheiden, am "großen Jahr" (The Big Year) teilzunehmen, einem Versuch, innerhalb eines Jahres die meisten Vogelarten in den USA zu finden und bewusst zu beobachten.

Der Film erkundet dabei intensiv die Motivationen der einzelnen Charaktere und zeigt auf, wie sich Freundschaften entwickeln und wie wir als Menschen insgesamt miteinander umgehen und Erfahrungen teilen. Das ist ein Film, den ich mir immer und immer wieder ansehen kann, weil er auch von der Atmosphäre und den Orten unglaublich vielseitig ist. Ich freue mich jedes Mal.

Samstag, 15. August 2015

Wohnzimmerregal: Moon (2009)


Psychologische Science-Fiction ist immer noch etwas, das man relativ selten findet. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Moon versucht hat, sich von den Action- oder Horror-Filmen des Genres abzugrenzen, indem der Stress eines Menschen in Isolation dargestellt wird. Damit hat er auch ein wenig Ähnlichkeit zum bald erscheinenden The Martian.

In Moon werden 70% der Energieversorgung der Erde durch Förderanlagen auf dem Mond gedeckt. Sam Bell ist der einzige Techniker, auf dem Mond, der sich nach Ende seiner dreijährigen Wartungsarbeiten, auf seine Heimreise vorbereitet. Als es allerdings zu einem Zwischenfall außerhalb der Basis kommt und seinen Abflug verpasst, muss er sich auf einmal mit existenzialistischen Problemen auseinandersetzen.

Der Film schafft es, mit ganz einfachen Mitteln eine nachdenkliche und kapitalismuskritische Geschichte zu erzählen. Er fragt nach den Folgen von Isolation und Einsamkeit, und danach, wie wir mit unseren Technologien umgehen sollten.

Freitag, 14. August 2015

Wohnzimmerregal: Dark City (1998)


Dark City hat mich vor allem gefesselt, weil der Frage auf den Grund gegangen wird, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen und wie wir mit Erinnerungen umgehen. Dazu noch eine dystopische Welt und Telekinese, und ich bin dabei!

In dem Film geht es um John Murdoch, der ohne Erinnerung in einem Hotelzimmer aufwacht und der herausfinden möchte, was mit ihm geschehen ist. Merkwürdige Wesen, die als Fremde bezeichnet werden, tauchen auf und machen Jagd auf ihn. Während er auf der Suche nach seinem Gedächtnis ist, fallen ihm immer mehr merkwürdige Dinge in der Stadt auf und ihm wird deutlich, dass es sich nicht um eine normale Stadt handeln kann.

Für mich war vor allem die Diskussion über die Seele und die Fragen, was uns angeboren und was durch Erfahrungen geprägt ist, interessant. Ich mag diese Art von philosophischen Fragen, weil sie deutlich machen, wie wenig wir doch wirklich wissen können und wie zerbrechlich unsere Vorstellungen sind.

Donnerstag, 13. August 2015

Wohnzimmerregal: Blade Runner (1982)


Lange Zeit konnte ich mit Blade Runner überhaupt nichts anfangen und habe es häufig mit Highlander 2 verwechselt. Kommt schon, das ist nicht so abwegig. Dann lernt man aber Philip K. Dick kennen und kann plötzlich auch Blade Runner einordnen. So einfach.

In dem Film geht es um den Detektiv Rick Deckard, der mit der Auffindung und Eliminierung von menschenähnlichen Robotern auf einer überbevölkerten, dunklen Erde beauftragt wird, da es den sogenannten Replikanten nicht gestattet ist, die Erde zu betreten.

Als ich das erste Mal Blade Runner bewusst gesehen habe, hatte ich schon ein relativ gutes Verständnis davon, was Science-Fiction, was Cyberpunk, wer Philip K. Dick und wer Ridley Scott sind. Und dennoch hat mich der Film erneut mitgerissen. Die Atmosphäre ist fantastisch und so etwas wie ein Vorbild für Detektiv-Geschichten in Science-Fiction-Filmen. Blade Runner gehört für mich gerade auch deshalb zu den Klassikern des Genres.

Die interessanteste Frage an dem Film ist für mich aber, warum überhaupt zwischen Menschen und Replikanten unterschieden werden soll, wenn alles was sie anscheinend von uns trennt, unser Machtanspruch über sie ist.

Mittwoch, 12. August 2015

Wohnzimmerregal: Gran Torino (2008)


Ich möchte gesondert erwähnen, dass Clint Eastwood bei diesem Film auch Regie geführt hat. Das mag für viele keine Neuigkeit mehr darstellen, aber für mich war es das zu der Zeit. Ich habe ihn als Action-Held kennengelernt, dann als Waffenfanatiker und dann als Regisseur ruhigerer Dramen. Irgendwie nicht ganz schlüssig.

Was mich allerdings überzeugt, sind die Stereotypen, die in diesem Film niemals platt wirken. Obwohl kaum etwas gesagt wird, hat man das Gefühl, als könne man sich in diesen alten Kriegsveteranen Walt hineinversetzen, wie er seine Frau verliert, seine Familie ihn vernachlässigt und seine asiatischen Nachbarn ihn anscheinend in seinem amerikanischen Traum stören.

Wir haben einen gebrochenen Charakter, dessen wertvollster Besitz ein alter Ford Gran Torino ist, der nun auch noch von dem asiatischen Nachbarsjungen Thao geklaut werden soll. Walt schnappt den Jungen, woraufhin ihn seine Familie bei Walt Wiedergutmachung leisten lässt. Zunächst scheint Walt nicht so wirklich etwas mit Thao anfangen zu können, es entwickelt sich aber über die Zeit eine tiefgehendere Beziehung, bei der sich Walt darum kümmert, dass Thao eine Arbeit bekommt und vor der im Viertel verhassten Gang beschützt wird.

Der Film ist für mich so etwas Besonderes, weil er auf eine ganz einfache Weise zeigt, wie sich Vorurteile auflösen lassen: indem man sich kennenlernt. Und natürlich erscheint die Glorifizierung amerikanischer Werte fragwürdig, und natürlich fragt man sich, ob Gewalt die richtige Methode ist, um sich durchzusetzen. Ich nehme dem Film aber ab, dass Walt sein Bestes unternimmt, um sich zu läutern und anderen zu helfen.

Dienstag, 11. August 2015

Wohnzimmerregal: Thank You For Smoking (2005)


Ich habe mich in diesen Film verliebt, weil er es geschafft hat, eine spannende Geschichte nur mit klugen Wortwechseln zu erzählen. Es geht um einen Lobbyisten der Tabakindustrie, dessen Alltag und Kampagnenleben dargestellt wird.

Es wird gezeigt, wie er mit seinem Umfeld umgeht und wie er versucht, es zu manipulieren. So gibt es zum Beispiel eine Szene, bei der er in der Berufsvorstellungsrunde der Klasse seines Sohns die Kinder davon überzeugen möchte, dass Zigaretten doch gar nicht so schlimm sind, wie immer gesagt wird.

Das Interessante dabei ist, dass er die ganze Zeit über sympathisch bleibt. Dieser Gegensatz hat mir vordergründig zwei Dinge deutlich gemacht: 1. Sympathische Personen haben einen großen Einfluss darauf, was wir als richtig oder falsch ansehen. 2. Man sollte immer alle Argumente ernstnehmen und jegliche Folgen durchgehen, um sich so wenig wie möglich beeinflussen zu lassen.