Dienstag, 17. Februar 2015

blues: Von Serien, Minimalismus und Bewegtbildern

Der zweite Tag meines Arbeitens geht vorüber und ich fühle mich ein wenig ausgelaugt. Aber weniger wegen der Entwicklung, als vielmehr aufgrund einer Diskussion mit Martin über die Bedeutung von Serien. Und ich muss ehrlich sein, ich bin kein großer Freund vom klassischen Serienformat. Das bedeutet nicht, dass ich Serien nicht generell auch etwas zutraue, aber ich glaube, dass viele der heute entstehenden Serien (inklusive Game of Thrones, Breaking Bad und dem ganzen anderen überkrassen Hammerzeug) ihr Potenzial nicht nutzen. Also schaue ich mit Martin zusammen die erste Folge von Shameless und fange kurz danach an, mich heftig zu echauffieren.

Die Serie tendiert dazu, lediglich die Wirklichkeit reproduzieren zu wollen, anstatt sie dort anzugreifen, wo es wehtut. Und während ich bei Filmen absolut kein Problem damit habe, wenn mir hin und wieder oberflächliche Unterhaltung beschert wird, führt das bei Serien zunächst einmal zu einer Ernüchterung. Ich möchte schließlich nicht immer und immer wieder mit den gleichen Charakteren die gleichen Situationen durchmachen müssen, mit vielleicht geringfügig anderen Beziehungsverhältnissen. Ich möchte auch nicht zehn Mal hintereinander sehen, wie Frodo den Ring ins Feuer wirft oder zehn Mal der Todesstern zerstört wird.

Wenn ich die erste Folge von Shameless für sich bewerten müsste, wäre sie vollkommen okay. Ein paar "krasse" Momente, zum Beispiel mit dem Mädchen, das bei der Nachhilfe anfängt, einem der Charaktere einen zu blasen. Oder der nette, gebildete Typ, der sich am Ende als Autodieb herausstellt. Natürlich sind das Fantasien, aber um Aufmerksamkeit zu erhaschen, ist das schon okay. Aber dennoch, wenn ich mir vorstelle, so etwas immer wieder aufgetischt zu bekommen, frage ich mich, welche Rolle diese Fantasien dann in meinem Leben übernehmen würden. Ist es immer noch okay, wenn gezeigt wird, wie der durch den Alkohol auf dem Boden schlafende Vater von cooler Musik begleitet wird? Oder wie man halt einem Typ ins Gesicht schlägt, weil er die Ehre von mir und dem Mädchen, das ich beeindrucken will, verletzt hat?

Ich möchte auch nicht nur Beziehungskram auf Beziehungsebene besprochen sehen. Ich wünsche mir, dass die Erfahrungen isoliert betrachtet werden und nicht alles in einem endlos aufgeladenen Gespräch zwischen den Protagonisten resultiert, das nur davon handelt, wie sich jetzt ihre Beziehung verändert hat. Aber das ist natürlich Wunschdenken. Vielleicht sollten sich realitätsbezogenere Serien mal eine Scheibe von Animes oder Zeichentrickserien abschneiden, bei denen es einige heutzutage schaffen, Atmosphären aufzubauen, die sich nicht nur über Coolness und Krassheit definieren.


Und nachdem ich mich jetzt schon zum zweiten Mal in einer Diskussion über Serien verloren habe, möchte ich doch noch ein wenig über blues sprechen. Und zwar möchte ich ein wenig vom grafischen Stil des Spiels erzählen, weil dieser möglicherweise aus heutiger Sicht etwas deplatziert wirken könnte. Ich orientiere mich stark an frühen C64-Spielen, deren grafische Leistung hardwaremäßig natürlich eingeschränkt gewesen ist, die aber gerade dadurch auch ihren eigenen Charme aufbauen konnten. Der Grafikstil ermöglicht es weiterhin dem Spieler, eine eigene Vorstellung von den Charakteren aufzubauen, ohne von äußerlichen Vorurteilen geleitet zu werden. Gerade in Bezug auf eine Handlung, die sich auf ein einziges Gespräch konzentriert.

Ich weiß nicht genau, inwiefern ich die grafischen Elemente noch erweitern möchte, da ich mich immer noch darauf konzentriere, eine klar definierte Geschichte zu erzählen. Was mich allerdings sehr interessiert, sind mögliche Animationen, um dem ganzen noch ein wenig mehr Leben zu verleihen. Blenden, Textveränderungen, Umgebungsbewegungen, etc. Aus diesem Grund habe ich Lust, mich morgen über Animationen und ihre Bedeutung zu unterhalten. Und vielleicht bin ich dann schon so weit, dass ich über das Durchlaufen der Handlung berichten kann.

1 Kommentar:

  1. Spoiler (und Klugschiss): Frodo wirft den Ring nicht ins Feuer...

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