Donnerstag, 20. August 2015

Ich denke in HTML

Seit es das Internet gibt, denke ich vordergründig in HTML. Das mag erst einmal seltsam anmuten, aber es wird klarer, wenn man sich die Frage stellt, wie Wissen abgespeichert werden kann und wie das Internet strukturiert ist. HTML ist die Sprache, mit der bestimmt wird, was eigentlich im Browser zu sehen sein soll. Soll jetzt Text kommen? Ein Bild? Ein Eingabebereich? HTML ist die Antwort darauf.

HTML ist dabei hierarchisch aufgebaut und besitzt umklammernde Auszeichnungselemente  (sogenannte Tags: <html>HTML-Datei</html>), die wiederum andere Elemente, aber auch Objekte in sich einschließen können. Nehmen wir eine typische Webseite, so beginnt diese mit der Unterscheidung eines unsichtbaren Informations- (Head) und eines sichtbaren Inhaltsbereichs (Body). Innerhalb des Bodys werden die Informationen nun so beschrieben, dass sie eine bedeutungstragende Funktion erfüllen.

Diese semantische Funktion ist Bestandteil der Wissensaufbereitung und wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum ich mich in den vergangenen Jahren vermehrt mit der Systematisierung von Informationen beschäftigt habe. So muss eben darüber nachgedacht werden, warum ein Wort fettgedruckt wird, oder es muss darüber nachgedacht werden, welche Bedeutung unterschiedliche Überschriftebenen besitzen oder warum Text in Paragrafen sortiert wird.

Und das führt natürlich irgendwann dazu, dass man in einer abstrakten Form von HTML denkt. Die Hierarchisierung und die Einteilung helfen dann dabei, Gedanken besser zu sortieren, und wenn ich nun einen Beitrag sehe, dann sehe ich nicht einzelne Textblöcke. Ich sehe das hier:
  • Gedanke 1
  • Gedanke 2
  • Gedanke 3
Wenn ich über etwas nachdenke, dann denke ich nicht unbedingt von einer Sache zu nächsten, ich denke in etwa so:
  • Gedanke 1
  • Gedanke 2
    • Wichtig
    • Unwichtig, aber könnte für Gedanke 1 relevant sein.
    • Oh, interessant ...
Weiterhin gibt es dann noch so etwas wie URIs. Ich kann zum Beispiel zu /erfahrungen/studium/15ss/#pragmatismus verlinken und finde dort meine in Listen sortierten Aufzeichnungen für den Pragmatismus im Sommersemester 2015 meines Studiums. Oder ich verweise auf /arbeiten/lyrik/nebel/ und kann auf ein Gedicht zurückgreifen, das ich 2012 geschrieben habe. Dabei ist für mich besonders spannend, welche Kategorien entstehen, um das Wissen zu sortieren. Brauche ich eine Kategorie für einzelne Kulturen? Oder gehe ich davon aus, dass es eben nur regionale Unterschiede einer einzigen Kultur gibt?

Die Möglichkeiten eines solchen Systems sind wirklich beeindruckend. Und ich bin zwar sicherlich nicht der erste, der seine Erfahrungen ins Internet packt, aber ich finde es dennoch imposant, wie mich diese Internet-Mechanismen dazu bringen, dann auch die wirkliche Welt mit anderen Augen zu betrachten. Dass mich meine Umgebung prägt, ist dabei sicherlich nichts Besonderes, aber sich dieser Auswirkungen selbst bewusst zu werden, dann aber schon.

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