Montag, 21. September 2015

Lernen: Feedback-Schleife

Eine Feedback-Schleife bezeichnet das Phänomen, dass zwei Ereignisse sich gegenseitig beeinflussen. Ein gutes Beispiel für eine solche Situation ist die Abhängigkeit des Menschen von seiner Umgebung, während er im Gegenzug natürlich auch seine Umgebung verändert. Was zunächst nach einem Paradoxon klingt, beschreibt im Grunde genommen eine sehr klare wechselseitige Beziehung, die dabei hilft, eine bessere Vorstellung von Entwicklungsprozessen zu bekommen.

Innerhalb einer kausalen Beziehung gibt es eine Ursache, die zu einer Wirkung führt. Wenn allerdings die Ursache einen Teil der Wirkung in sich aufnimmt, dann entsteht eine Schleife, in dem sich Ursache und Wirkung gegenseitig beeinflussen. Innerhalb der Kommunikationstheorie ist ein solches Feedback eine wichtige Grundlage dafür, wie ein Gespräch verläuft.

Dieser Prozess der gegenseitigen Beeinflussung kann aber auch zu Verstärkungen oder Abschwächungen führen. So entwickelt sich zum Beispiel bei der Spiegelung von Gefühlen eine aggressive oder aber beruhigende Situation, je nachdem wie die Gesprächspartner aufeinander reagieren.

Welche Auswirkungen kann das nun aber auf unsere Vorstellungen haben? Ich denke, dass eine Feedback-Schleife dazu führt, dass wir Schwierigkeiten bekommen, eine klare Ursache für etwas festzulegen, was es komplizierter macht, eine deterministische Position zu vertreten. Wenn wir uns deterministisch fragen, was dazu geführt hat, dass jemand etwas Bestimmtes getan hat, dann könnten wir versuchen alle Ereignisse aufzulisten, die ihn dazu gebracht haben.

Aber wie sollen wir genau herausfinden, welche Ereignisse wichtig sind? Durch den wechselseitigen Einfluss der Umgebung und uns selbst aufeinander, können wir keine klare Aussage darüber treffen. Wir besitzen nicht die Möglichkeit, in einen Menschen hineinzuschauen, um deutlich zu machen, welche Kommunikation ab welchem Zeitpunkt dazu geführt hat, dass wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten haben. Wir verändern uns ständig und beeinflussen damit wiederum die Umgebung, die uns wiederum verändert. Wir müssten alle wahrgenommenen Informationen, in dem Moment auswerten, in dem die Veränderung stattfindet. Und das erscheint unmöglich.

Unabhängig davon, dass davon die deterministische Position nicht aufgelöst wird, macht es sie jedoch schwieriger zu erfassen, weil eine klare kausale Abfolge bisher nicht sinnvoll und verständlich dargestellt werden kann. Weiterhin führt genau dieses Phänomen zur Unschärfe von Messergebnissen. Wenn sich Umgebung und Person in ständiger Beeinflussung zueinander befinden, dann führt natürlich auch eine Beobachtung zur Beeinflussung der Messung, in psychologischen Kontexten zum Beispiel zu einer Anspannung beim Probanden.

Feedback-Schleifen sind interessante Beziehungen, weil sie das Leben und kausale Zusammenhänge wesentlich verkomplizieren. Dabei sind für mich besonders die Fragen interessant, ob es sich bei jeglicher Kommunikation bzw. jeglichen realen Beziehungen um solche wechselseitigen Beeinflussungen handelt. Oder aber auch, ob es wechselseitige Beeinflussungen überhaupt geben kann? Auch Newtons drittes Gesetz kann hier erwähnt werden, weil dort eine Beschreibung der Wechselwirkung auf naturwissenschaftlicher Ebene stattfindet.

Vielleicht ist das Konzept einer wechselseitigen Beeinflussung deshalb lediglich auf abstrakte Vorstellungen beschränkt, da immer auch eine Identität mitgedacht werden muss. Wenn nämlich die Folge einer kausalen Beziehung dazu führt, dass sich an der Ursache etwas verändert, dann gibt es die ursprüngliche Ursache in der Form nicht mehr, sondern es entsteht eine neue Ursache, die wiederum zu neuen Wirkungen führt. Eine Feedback-Schleife geht jedoch davon aus, dass wir dieselben Menschen bleiben, auch wenn die Umgebung uns durch neue Eindrücke theoretisch zu anderen Menschen macht.

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