Montag, 28. September 2015

Prüfungsverdruss

Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis meiner Philosophie-Prüfung, aber gleichzeitig frage ich mich, was das überhaupt bedeuten soll. Warum bin ich damit zufrieden, für etwas eingeschätzt zu werden, das mich nicht direkt weiterbringt, sondern anderen nur zeigt, dass ich das, was sie von mir erwartet haben, leisten konnte? Woher soll ich überhaupt wissen, ob das nun wichtig ist oder nicht?

Ich bin wieder in eine Situation gebracht worden, die mich etwas leblos zurücklässt. Ich interessiere mich für so viele Themen, aber ich brauche unbedingt ein besseres Verständnis davon, was mich anspricht und was ich nur lerne, weil ich es lernen muss. Ich habe das Gefühl, dass ich ansonsten nicht ehrlich genug mit mir selbst bin. Möglicherweise spiele ich mir dann nur etwas vor, damit andere mein Interesse nicht abschreiben.

Ich möchte wirklich alles verstehen. Aber ich kann nicht alles verstehen. Ich muss Einschränkungen treffen, ich muss Zusammenfassungen schreiben und Dinge weglassen. Und das gefällt mir nicht. Aber mein Gehirn schafft es nicht, unter anderen Bedingungen zu operieren. Ich habe kein endloses Gedächtnis, obwohl ich mir das häufiger wünschen würde, gerade wenn ich in Situationen komme, in denen ich Texte fünfmal lese, weil ich den Anfang ständig vergesse. Oder weil ich es nicht schaffe, die Verknüpfungen aufrechtzuerhalten.

Und dann werde ich geprüft und ich habe das Gefühl, als wäre dort etwas, was ich mir selbst beweisen müsste, obwohl ich nur merke, wie mein eigenes Gedächtnis zusammenbricht, weil es versucht, zu viele Verbindungen auf einmal aufzubauen und dabei zu wenig Struktur besitzt. Und dennoch bin ich zufrieden mit meinem Ergebnis; ich glaube, weil ich nicht weiß, was ich sonst tun sollte.

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